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Halbe, ganze oder doppelte Tochter?

15. September 2007 | Von Heinz-Detlef Scheer

Manchmal ändert alleine die Sichtweise eines “Details” die Sichtweise aufs Ganze so stark, dass insgesamt neue Handlungsentwürfe möglich werden.

Neulich saß ich mit einem Kunden zusammen, der als Spezialist um die ganze Welt reisen muss. Er ist verheiratet mit einer Südafrikanerin und hat eine 14jährige Tochter. Mutter und Tochter wohnen derzeit in Südafrika, er selbst arbeitet derzeit in Südamerika. Eine unter meinen Kunden nicht ungewöhnliche Konstellation. In diesem Beitrag geht es mir um ein einziges Detail.

Mir fiel während unserer Unterhaltung auf, dass er, als er von seiner familiären Situation erzählte, ganz begeistert von seiner Frau erzählte und von Südafrika. Seine Tochter erwähnte er in einem Nebensatz. Er bezeichnete Sie als "halb". Er machte dabei kein glückliches Gesicht und dachte dabei an einige gemeinsame Jahre in Deutschland, wie er hinterher erzählte. Ich war spontan ziemlich schockiert und sagte ebenso spontan: "Wieso halb? Ihre Tochter ist doch sogar doppelt!".

Das machte ihn unerwartet nachdenklich und das Gespräch nahm eine ganz andere Wende. Eine Wende zum Besseren, zum Konstruktiven, zum Mutigen, in die Zukunft. Nennen Sie es, wie Sie wollen. Es war ein Schritt nach vorne. Für meinen Kunden. Für SEINE Situation.

Für die, die es nicht verstanden haben, weil sie nicht dabei waren. Eine "halbe" Tochter in diesem Sinne ist eine halb Afrikanerin, halb Deutsche. Eine "doppelte" Tochter aber ist ein Mensch, der beides in sich vereint: Afrikanerin UND Deutsche. Was für ein Glück, Kenntnisse beider Kulturen zu haben. Was für ein Vorteil gegenüber anderen: Zwei (in diesem Falle 6) Sprachen, drei Kulturen, interkontinentale Erfahrungen. Was kann man daraus alles machen, wenn man erst 14 Jahre alt ist und gesund. Ich könnte bleich vor Neid werden. Werde ich aber nicht, Ich freue mich für sie.

Schönes Wochenende!

Detlef Scheer



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6 Kommentare

  1. Ein toller Beitrag - auch gegen jedwede nationalistischen Tendenzen!

  2. Ein sehr schönes Beispiel dafür, wie man mit einem Satz ein Gefühl, einen Tag, eine Lebenseinstellung ändern kann.
    http://www.emotionstraining.com/

  3. Als Kind zweier Kulturen kann Segen und Fluch sein. Manchmal kann es geschehen, dass die Menschen sich weder als das eine, noch als das andere fühlen und so nie zu einer echten Identität finden.

  4. Irgendwie ein Beispiel aus der Praxis für den Unterschied zwischen einen halb vollen und einem halb leeren Glas. Schön wenn eine andere Sichtweise überzeugen kann - und es ist ja wirklich eine “doppelte” Tochter.

  5. Eine interessante Sichtweise. Hat mich spontan zum schmunzeln gebracht, und nach reichlichem Nachdenken zu dem Entschluss, der Author hat vollkommen Recht, vollkommen!

  6. Ein wirklich guter Denkansatz, den sich viele Menschen auf der Welt zu Herzen nehmen sollten. Wie uns kleine Brücken immer wieder den Alltag versüßen können, das erstaunt mich immer wieder aufs Neue.

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